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Windmill Hill

23. Januar 2012

Von der semi-wuseligen Geschäftigkeit beispielsweise auf der Schönhauser Allee war in der Zeit zwischen Stadtgründung von Cölln-Berlin und Nennenswertwerdung des Prenzlauer Berges noch nichts zu spüren. Bis auf Äcker verbindende, großspurig ‘Wege’ genannte Trampelfpfade gab es im Grunde reichlich Nichts. Gut, Mühlenologen werden einwenden, dass irgendwann zwischen dem 13. Jahrhundert und spätestens 16. Jahrhundert irgendwer Mühlen da hingebaut hat, wo man den Windmühlenberg verorten kann. (Mittlerweile sagt auch die Luise was anderes.)

Um 1770 standen also immerhin 8, etwa 80 Jahre später zum Zenit der Mühlenära vor Ort mehr als die Hälfte aller Berliner Windmühlen in dieser Einöde. Man gelangte auf dem schmalen ‘Mühlenweg‘, dem ab 1874 ‘Straßburger Straße’ genannten Pfad zum, ja man muss es so sagen, Mühlenmekka. Vom berüchtigten Windmillhopping ist jedoch nichts bekannt, doch ist bekannt, dass Windmillhopper ein verschwiegenes Völkchen sind.

Der Windmühlenberg in der zweiten Hälfte des 18. Jhd. etwa. © Urheber unbekannt.

Doch die heute erwähnenswerteren Straßen wie Schönhauser oder Prenzlauer Allee oder Danziger Straße waren Verbindungswege, auf denen Coffee-to-go-Verplempern ob der Unbefestigtkeit der Wege weder akustisch noch visuell aufgefallen wäre. Immerhin wurden sehr zu Ende des 16. Jahrhunderts Linden entlang der Schönhausenschen Landstraße gepflanzt, da der noch Kurfürst Friedrich III. den Weg zum frisch in den Schlossstand gehobenen, ehemaligen Gutshaus Niederschönhausen jetzt also Schloss Schönhausen nicht unbebaumt wissen wollte. 1700 wurden im vielleicht ja eigens dafür gepimpten Schloss Unterhandlungen zur König Friedrich I.-Werdung Kurfürst Friedrich III. geführt. Wenn man solch hochtrabenden Pläne hat, kann man so ein ‘Nieder’ schonmal vergessen.

Sind wir also ehrlich: Ohne dieses Schloss im heutigen Pankow-Niederschönhausen und einen historisch namentlich nie genannten Witzbold, der sich nicht entblödete, in der Gegend Wein anzubauen, hätten wir heute wahrscheinlich keinen (solchen), ab dem 27. September 1921 offiziell und endgültig so genannten Prenzlauer Berg.

Der Windmühlenberg in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. etwa. © Urheber unbekannt.

Aber wir hatten Schloss und Witzbold. Und also Ahnungen von Gründen, die Mühlenbauer anzogen, dort ihr teuflisches Werk zu verrichten. Teuflisch? Ja, teuflisch. Noch bis in die späteren 1980er hinein nämlich hatten die über Straßennamen zu entscheidenden Gremien nicht kapiert, dass die eigentlich ‘Mulhauser Straße’ im Elsaß-Lothringischen Viertel, trotz der unmittelbaren Nähe zum historischen ‘Windmühlenberg’ nichts mit einer Mühle am Hut, bzw. Hausen zu tun hatte. Zwar gab es erst 1871 mit einem deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg einen Anlass für ein dem Namen nach ‘Elsaß-Lothringisches’ Viertel, doch bereits vor dem 28. September 1885, dem Tag der offiziellen Namensgebung in ‘Mülhauser Straße‘ sind Verwirrungen bekannt. Lediglich mit ‘Straße 33′ aus irgendeinem Bebauungsplan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam man scheinbar zurecht. Wer da wohnte, kann keinen Superstart ins Leben haben. Ich weiß, wovon ich  Doppelalben voll solcher Lieder singen kann.

Wie dem sein mag: Ein gemeinhin bekannterer Ursprung für den heutigen Prenzlauer Berg ist der sogenannte Windmühlenberg, welcher sich bar jeder Höhentrainingscampqualitäten zwischen der Schönhauser und Prenzlauer Allee und in Ausläufern bis zur Greifwalder Straße* sowie der Torstraße und etwa der heutigen Immanuelkirchstraße erhob und erhebt. (*Sofern man bei einem solchen Hügelchen von Ausläufern sprechen kann.)

Der nicht eben atemberaubende Blick gen Norden offenbarte weiteres, reichliches Nichts. Der dem Nordblick in Unatemberaubung, ja förmlich also quasi Beatmung in nichts nachstehende Süd-solche endete jäh an der Stadtmauer. Kein Wunder also, dass diese Gegend mit der Eingemeindung zwischen 1829 und 1831 rasch zum wichtigsten Mühlenstandort Berlin, doch in der Folge vor allem mit einigen Schnapsbrennereien und zügig zahlreicher werdenenden Bierbrauereien regelrecht zum Gomorra gedieh. Ein in der Historie also gefundener Grund für die Tradition der mit Bierflaschen bewaffneten Flaneure auf den Prenzlauer Berger und Berliner Straßen. (Für Jutebeutel oder die Light-Variante Baumwollbeutel gibt es jedoch absolut keine Gründe.)

Seit den 1840er Jahren bebaute man nun die der Stadtmauer nahegelegenen Gegenden zunächst mit zweigeschossigen Häusern. Ein ironieschwangerer Wink der Geschichte übr.: Das älteste noch stehende Gebäude von 1848 steht auf dem Grundstück Kastanienallee 77, einem Kunst- und Kulturprojekt, welches sich am Anschein nach anschickt, sämtliche Kunst- und Kulturprojekte im Prenzlauer Berg zu überleben.

Lottumstraße etwa 1870. © Urheber unbekannt.

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