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Mühlenweg

29. August 2012

Weitgehend unfotografiert blieb bis in die 1990er Jahre der Mühlenweg. Natürlich finden das sowohl die Leser als auch ich blöd, doch so konnte er, der Weg, ungestört seinem Tagwerk nachgehen. Und dass es ihn noch gibt, ja er sogar als Straßburger Straße ein neues Leben beginnen konnte, spricht doch dafür, so einen Weg auch mal Weg sein zu lassen.

Es wurde bereits ein wenig darauf eingegangen, dass u.a. den Hügel zu Füßen des Wasserturm eine gemessen am Rest Berlins größere Anzahl Mühlen zierte. Und so kam es: 1748 wünschte König Friedrich II. unmissverständlich, dass außerhalb der Stadtmauer fünf Windmühlen zu errichten seien. Nach einiger Suche bekam der Windmühlenberg den Zuschlag. Der Besitzer des Grundstückes – Georg Friedrich Bötzow – hatte entschädigt zu werden und Müllermeister Christoph Müncheberg wurde vertraglich verpflichtet, bis Ende September dort zwei Mühlen zu errichten.

Die Quellen weichen hier ein wenig voneinander ab. Einige sagen, dass die erste Mühle privat errichtet bzw. umgesetzt wurde, andere wollen wissen [etwa Seite 16], dass die erste Mühle auf königliches Geheiß und also im Grunde königlichen Betrieb dorthin kam. [Hier kann man jedenfalls nachlesen, wer wann welche Mühle betrieb oder verantwortete und wo die Mühlen standen.]

1749 baute und betrieben ein Windmüller Johann Friedrich Lehmann, ab 1784 Mühlenmeister Andreas Friedrich Hampe auf eigene Kosten die erste, nicht lange nachdem Zoll- und Akzisemauer errichtet worden war. Man muss annehmen, dass es ihm zu eng geworden war, zum einen; zum anderen natürlich in der Stadt ohnehin schon kein besonders günstiger Windmühlenbetrieb zu bewerkstelligen war (und vermutlich ist) und mit Bau der Akzisemauer der eventuelle Betrieb noch weiter verungünstigt wurde. In jedem Falle darf man diesen Herren beschuldigen, überhaupt erst irgendetwas später gentrifizierbares besiedelt, also geschaffen zu haben – wehren kann er sich jedenfalls nicht mehr.

Der Windmühlenberg um 1780. © Johann Georg Rosenberg (1739 – 1808). Dieses Bild ist gemeinfrei.

Später auf jeden Fall, ca. 20 Jahre, also 1770 standen bereits acht Mühlen am Berg. Was der gerade geäußerten Theorie des Vorreiters der Gentrifizierung, nun ja, Wind in die Segel bläst. Vier Bockwindmühlen (wie sie etwa zum Beispiel in Marzahn zu begutachten sind) und vier Holländer (etwa wie die Britzer Mühle). Während in Norddeutschland die letzteren die ersteren nach und nach verdrängten, standen sie hier in mahlender Eintracht nebeneinander. Vermutlich nahmen im Zuge der o.g. Windmühlenkriege jedoch die Holländer mehr zu, als es die Böcke taten. Die meisten Mühlen unterstanden dem Königlichen Amt Mühlenhof. Waren 1770 noch 7 von 8 Mühlen quasi königlich, so standen um die Jahrhundertwende 18./19. Jhd. bereits irgendwas zwischen 24 und 30 Mühlen am Berg. Mit dem Edikt der Gewerbefreiheit jedoch, die vor der Zeit der französischen Revolution faktisch nicht gegeben war, standen die königlichen Mühlen in Konkurrenz zu den mehr werdenden privaten solchen.

Einige Wirren später – zunächst hatte sich im Februar 1812 Preußen, einschl. dem Prenzlauer Berg Napoleons Truppen unterworfen; bereits im Februar/März 1813 besetzten russische Truppen u. a. unseren Mühlenberg – wurden die meisten königlichen Mühlen 1826 schließlich verkauft. Kaufer: Christian Friedrich Bötzow. Der verkaufte seine Mühlen innerhalb der folgenden Jahre bis 1836. In den nächsten etwa dreißig Jahren sollten die meisten Mühlen dem Feuer anheim fallen. Die Mülllermeister waren bereits zechen und die Lehrlinge versäumten ein ums andere Mal, Getreide nachzuschütten. Die Mahlsteine mahlten leer, schlugen Funken und die Menge an trockendem Getreide erbot sich als hervorragender Brandbeschleuniger. Formidable Feuersbrünste waren die Folge, der Mühlenstandort verlagerte sich zunehmend in die Schönhauser Chaussee, wo er jedoch längst nicht mehr so vielzählig war. [Wer hier noch ein wenig mehr Story will, dem sei – natürlich – das Standard-Werk von Daniela Dahn empfohlen]

Zu all den Mühlen führte, als sie noch standen und mahlten, aber auch später, ein ‚Mühlenweg‘. Zunächst – wie heute auch – gerade ansteigend bis etwa zur heutigen Saarbrücker Straße und dann in Bögen an den Mühlen entlang etwa bis zum Wasserturm, der dort von 1853 – 1856 errichtet und am 1. Juli 1856 durch die englische Wasserwerksgesellschaft Berlin-Waterworks- Company in Betrieb genommen wurde. Der Mühlenweg indes wurde 1874 zur Straßburger Straße.

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