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Schliemanns Grab

9. Oktober 2012

Heinrich Schliemann kannte sich wohl bestens mit Gräbern aus. In seines wird er das Geheimnis mitgenommen haben, ob sich Leute in ihren letzten Ruhestätten zu wenden pflegen, wenn sie – und das ‚ob‘ harrt ja auch nach wie vor der Bestätigung durch die weltliche Welt der Wissenschaft – dem mitunter unansehbaren wiewohl zuweilen dennoch ansehnlichen Treiben der noch unter den Lebenden weilenden ansichtig werden. Der geneigte Leser wird zucken und denken: „Ieeeeh, wie soll denn einer ‚ansichtig‘ werden werden, dessen Angesicht den Weg allen Fleisches bereits lange beschritten hat?“ Soll er zucken und denken.

Olle Schliemann wiederum wurde zwar pompösestens neoklassizistisch in Athen bestattet, sein Nachleben indes erfuhr zwar durchaus Ehren, doch deren Zwiespältigkeit ist auch dem der Archäologie eher Fernen gewahr: Ein Mondkrater und die Schliemannstraße einen sowohl die Schliemann-Ehrungsversuche als auch eine eher abseitige Anmut. Hier die zum Vergleich dienen sollenden Bilder aus der Schliemannstr.:

Die Schliemannstr. zwischen Stargarder Str. und Helmholtzplatz, Blickrichtung Stargarder 1982. © Urheber unbekannt. Quelle: http://bit.ly/VGQFwp

Die Schliemannstraße von der Lettestraße aus gesehen ebenfalls 1982. © Urheber unbekannt. Quelle: http://bit.ly/VGQFwp

In vielen Wörtern und womöglich einigen Worten ist also der Schliemannstraße das meiste Wissenswerte entlockt. (Und es gibt nichtmal groß was zu locken. Diese wenigen Informationen lungern ebenso barbusig wie offenherzig an den gleichermaßen schummrigsten und belebtesten Ecken im Netz herum und teilen sich wirklich jedem mit.) Auch hier wird gezuckt und gedacht, doch es spricht ja Bände, dass das Nennenswerteste an der Schliemannstraße eben der Namenspatron zum einen und die Trennung der beiden Straßenteile, der Helmholtzplatz, zum anderen sind.

Der Helmholtzplatz von der Dunckerstraße aus ca. 1920. © Urheber unbekannt. Quelle: http://bit.ly/VGQFwp

Der Zeichenzahl zuliebe wie der Möglichstvollständigkeit halber sei hier noch ein Link zur Umweltbibliothek und ein weiterer zum Café Schliemann untergebracht. Letzteres ist nach dem Link 2010 zur Bar geworden und dürfte in diesem Zuge das letzte bisschen Ehre eingebüßt haben. …

[Ach, nun hier noch ein wenig aus dem Nähkästchen: Dieser Eintrag ist nämlich einem jüngst erlebten Ereignis geschuldet. Dabei trug es sich zu, dass in einer leider nicht allzu lauen Oktobernacht unversehends fünf gebürtige und bis auf eine Ausnahme auch im Prenzlauer Berg lebende Ostberliner auf einem Balkon in der Schliemannstraße standen, unbehelligt von den im Innern der Wohnung weilenden Gästen aus aller Herren Länder und Bundesländer. Ohne jedewedes Schwabenbashing: Ein Ereignis, welches im Prenzlauer Berg vermutlich etwa mit der Häufigkeit eines Merkurtransits auftritt. Selbstredend wurde sich zunächst weinend in den Armen gelegen, um in Folge jedem Anwesenden davon zu berichten. Auf den BLöGG kommend versprach ich einer anwesenden Dame, einen baldigst erscheinenden Eintrag. Hier ist er. Ihr sei er gewidmet.]

Der aller weiteren Ehren sicherlich werte Herr Schliemann könnte nun probieren, ob es sich so verblichen noch im Grabe gut umdreht oder rotiert. Doch seien wir realistisch: Wenn Herr Schliemann in seinem Zustand rotieren könnte, würde er sich vermutlich auch eher selbst ausgraben. Oder ist wer anderer Ansicht?

Wer von Berichtenswertem in der Schliemannstraße hörte oder gar weiß, ist hiermit auf das Herzlichste eingeladen, mich mit derlei zu behelligen. Ich werde es gern hier zur Kenntnis des Schreibenden schreiben und der des Lesenden publizieren.

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