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Communicationsweg

7. März 2012

Eines der vielen im Prenzlauer Berg schlagenden Herzen ist die heutige Danziger Straße. Sie entstand in den frühen 1820ern zunächst als Feldweg und sollte die bereits seit dem Mittelalter bestehenden als Landstraßen erscheinenden Ausfallstraßen, also Straßen vom Zentrum um Fischerinsel, Nikolaiviertel und heutigem Alexanderplatz in die Brandenburger Peripherie führend ringförmig verbinden. Daher Communication.

So ganz hat das nie geklappt mit der Communication, jedoch darf man vom Zentrum der Welt aus sagen, dass der Communicationsweg wenigstens bis an den Rand der Scheibe weiter zu führen scheint, betrachtet man einmal die Eberswalder nach Westen und Richtung Süden die Petersburger Straße. Klappt man die Scheibe um und guckt sich weiter die Warschauer und Gitschiner Straße, das Hallesche Ufer und auf der anderen Seite die Bernauer und dann Invalidenstraße an, kommt man zu dem Schluss, dass mit dem Bau des Tiergartentunnels mitte der 1990er dieser Ring nahezu geschlossen wurde. Aber eben auch nur nahezu.

Der Magistrat schlug 1872 der nahen Zionskapelle wegen jedenfalls den Namen „Zionsweg“ vor, aber die Bezeichnung wurde nicht genehmigt. 1874 befanden die Granden der Stadt selbst den Namen Communication (-sweg) endgültig für irgendwie blöd, communicierten das jedoch nicht, sondern benannten den Verbindungsweg zwischen der schon damals so heißenden Schönhauser Allee und der kurz zuvor Greifswalder Straße genannten ‚Bernauischen Landstraße‘ oder ‚Poststraße nach Berlin und Stettin‘ Chaussee einfach in Danziger Straße, den weiteren Verlauf bis zur Landsberger Allee in Elbinger Straße um. Schon weil gerade die IV. Gasanstalt, mit dem ersten von insgesamt fünf Gasometern am Wege errichtet wurde und man vermutlich nach einer netten Adresse suchte.

Die Gasanstalt nahm also 1873 den Betrieb auf und wurde in wenigen Jahren umfassend erweitert. Kurz nach der Jahrhundertwende sollte der Betrieb der größte Energieerzeuger der Stadt werden und das für rund 50 Jahre bleiben.

Einer der Gasbehälter der IV. Städtischen Gasanstalt. © Urheber unbekannt.

Insgesamt erreichte die Gasanstalt ein beachtliches Betriebsalter von knapp 110 Jahren. Von Baubeginn 1872 dauerte es zunächst rund 30 Jahre, bis zur Jahrhundertwende, bis die mehreren hundert Arbeitsplätze im städtischen Unternehmen für ein Zusammenwachsen von Industrie und eben Wohnungsbau sorgten.

Luftbild der iV. Städt. Gasanstalt. © Urheber unbekannt, ca. mitte der 1920er.

Gegen nennenswerten Widerstand in Teilen der Bevölkerung und entgegen öffentlichen Verlautbarungen der DDR-Stadt(-bezirks-)oberen – Noch zu Jahresbeginn 1983 heißt es in einem Artikel der Zeitschrift NBI: „…Die mächtigen Gasometer werden nicht in die Mangel genommen. Sie bleiben als Baudenkmale erhalten.“ – wurden die Gasbehälter schließlich 1984 gesprengt.

[Eine eindrucksvolle Serie an Bilder lässt sich mit einigem Suchen finden, jedoch fehlen mir noch die Genehmigungen, sie hier zu zeigen. Bis dahin sei auf die durchaus ebenfalls ansehnliche Serie auf den Seiten der Wabe verlinkt.]

[Update: Puh, nach einiger Zeit der aufwändigen Suche, habe ich besagte Serie wiedergefunden. Hier ist sie! Die Nutzungserlaubnis steht noch aus, bis dahin sei hier nur der Link angebracht.]

Nach dem „Rückbau“ des Industriekomplexes wurde auf dem Areal der Ernst-Thälmann-Park mit seinerzeit, in den 1980ern der DDR modernen Wohnungsbau, Parkflächen und kulturellen Einrichtungen, teilweise noch in den Resten der zur Gasanstalt gehörenden Gebäuden und dem Zeiss-Großplanetarium geschaffen. Einer der wenigen Flecken im Prenzlauer Berg, der in der Erinnerung an die 80er Jahre hier nicht schwarz/weiss erscheint, doch in seiner DDR-Farbigkeit dennoch nicht eben anziehend wirkte und wirkt.

Es wurde, das am Wegesrande gewissermaßen, im weiteren Verlauf des Communicationsweges, namentlich am ‚Hellwege vor dem Halleschen Tor‘, der heutigen Gitschiner Straße in Kreuzberg zuvor schon ein Gaswerk erbaut. Und zwar hatte sich eine in London gegründete Gasgesellschaft, die Imperial Continental Gas Association das hehre Ziel gesetzt, europäischen Großstädten die Gasversorgung angedeihen zu lassen. Diese ‚Gas Erleuchtungs Anstalt‘ versorgte im September 1826 die erste Gasbeleuchtung in Berlin, die nämlich in der Straße Unter den Linden.

1893 und 1894 wurden in der Danziger Straße 50 die ‚162. und 197. Gemeindeschule für Knaben‘ errichtet und eröffnet.

Danziger Str. anfangs des 20. Jahrhundert. © Urheber unbekannt.

Im Sommer 1908 dann, kurz vor der Einweihung des 5. Gasometers der o.g. Gasanstalt, eröffnete die ‚Straßenbahnen der Stadt Berlin‘ (auch Städtische Straßenbahnen Berlin [SSB]) zwei Straßenbahnlinien, die von der Kreuzung Landsberger Allee / Elbinger Straße zur Bernauer Straße / Wattstraße führten. Die Grundsteinlegung der heutigen Partytram M10, gewissermaßen. Nach 1910 wurden die Linien einige Male verlängert und man wäre mit der Tram von 1913, über Oranien- bzw. Wiener Straße sogar noch bis zum Hermannplatz, ans gerade hübsch gentrifizierte Kreuzkölln gekommen. Hieran lässt sich ablesen, dass die Geschicke und Geschichte des Prenzlauer Bergs, Friedrichshains und Kreuzbergs eng verknüpft sind, was mit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 sozusagen ins Kopfsteinpflaster der Danziger Straße gemeißelt wurde. (Die Nahverkehrsfetischisten finden übrigens hier [PDF Aus dem Archiv www.Berliner-Verkehrsseiten.de] den Linienplan von 1925.)

Kurze Zeit später, im Sommer 1913 wurde der U-Bahnhof Danziger Straße im Zuge der Erweiterung der Centrumslinie, der Nordringstreckeeröffnet.

U-Bahnhof Danziger Straße 1913. © Urheber unbekannt.

Die erste und einzige Kirche an der Danziger Straße, früher noch Elbinger Straße, die evangelische Adventkirche wurde am 10. April 1910 grundsteinbelegt und am 26. Februar 1911 geweiht. Sie ist gewissermaßen eine Billigkirche, da die evangelische Stadtsynode wegen des Kirchenbooms anfangs des 20. Jahrhunderts beschloss, einer jeden neuen Kirche nur noch 200.000 Mark, was etwa 1 Million Euro entspricht, zur Verfügung zu stellen. Dennoch im Stil der Moderne mit merklichen Nachwirkungen der Neogotik erbaut, liessen die Architekten ‚DinklagePaulus‚ Drahtputz, Gips und Zement verbauen. Das sollte sich in Folge der Zerstörungen vom Frühjahr 1944 und der zweiten Aprilhälfte 1945 rächen, als alles mögliche Richtung Kniprodestraße niedergebrannt wurde, um von den nahen Flaktürmen im angrenzenden Volkspark Friedrichshain freie Schussbahn auf den unter anderem von dort vordringenden ‚Russen‘ zu haben. Da der Bau nach dem Krieg zwar gottesdienstlich hin und wieder genutzt wurde, jedoch ohne Dach, quasi mit direktem Draht zum Herrn über Jahre stehen und zerfallen sollte. 1951 wurde sie erst wieder eingeweiht und dem plansozialistischen Baugewerbe ausgesetzt. Dem Herrn sei dank ist die Kirche irgendwie erhalten geblieben, was man von den Schäfchen im Gemeindesinne vielleicht nicht sagen kann.

Ein anderes, nicht minder allein mit Phantasie besuchenswert gemachtes Etablissement erbaute Otto Wernerund wurde 1926 eröffnet: Die Elysium-Lichtspiele in der Prenzlauer Allee 56, an der Ecke und vor dem Krankenhaus Danziger Straße.

Das Krankenhaus Danziger Straße. Die Flagge auf dem Dach verrät die ungefähre Zeit der Aufnahme. © unbekannt.

Leider sind nur wenige Infos zu finden und die noch wenigeren Bilder sind mittlerweile von einer Platzhalter-Seite versteckt worden. Hier wenigstens eines, was ich retten konnte:

Elysium-Lichtspiele Prenzlauer Allee 56, Ecke Danziger Straße. © Urheber unbekannt.

Die kargen Informationen legen eine umfassende Zerstörung in den letzten Kriegswochen sowie den Abriss 1946 nahe.

1950 nun wurde die Danziger Straße die Dimitroffstraße. Georgi Dimitrow– falls man nicht weiß, wie etwas zu schreiben ist: Im Zweifel so wie man es spricht; daher der Straßenname – hatte einen großen Auftritt beim Van der Lubbe-Prozess, als er rhetorisch glänzend und so Hermann Göring Schmach zufügend frei gesprochen wurde. Später wurde er noch Chef der kommunistischen Partei und Ministerpräsident Bulgariens.

Straßenbahn in der Dimitroffstraße. © Jean-Jacques Barbieux, August 1960, Ost-Berlin (DDR)

Am 25. oder 26. Februar 1962 starb mit Fredy Sieg ein über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Original. Er lebte etwa fünfzig Jahre an der Elbinger Straße, starb jedoch an der Dimitroffstraße.

Zum Schusterjungen, Dimitroffstraße, September 1987. © Frank-Rainer Wagner, Berlin, 1987.

Eine der ältesten Kneipen oder eine der ältesten Gaststätten in der Danziger Straße, auf jeden Fall das älteste noch besuchbare Etablissement ist die Gaststätte „Zum Schusterjungen“ in der Danziger Straße 9 an der Ecke zur Lychener Straße. Seit etwa 100 Jahren bekommt man hier neben Gebrautem und Gebranntem eher Vieux jeu cuisine.

Dimitroffstraße, Ecke Schönhauser, vermutlich in den späten 1960ern. © Urheber unbekannt.

Die Kreuzung zur Schönhauser Allee noch einmal etwas später aufgenommen:

Dimitroffstraße mit Blick zur Kreuzung Schönhauser Allee. Mit Feuerwehr W50. © Frank-Rainer Wagner, Berlin, 1987.

Und damit nun wirklich jeder sieht, wie wandelbar diese Kreuzung sein kann, noch einmal von der anderen Seite aus:

Dimitroffstraße, Blick zur Kreuzung Schönhauser Allee, in die Eberswalder Str. © Lutz Schramm, Berlin, 1980er Jahre.

1995 wurde die Dimitroffstraße wieder in Danziger Straße umbenannt. Allerdings wurde, um Kosten für u. a. Umbennung und Neunummerierung  und so Grundstücksneuvermessung zu sparen, auf die Teilung Danziger und Elbinger Straße verzichtet.

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Erste Genehmigungen

14. Februar 2012

Ich freue mich außerordentlich, dass die ersten Genehmigungen zunächst einmal eintreffen und dass die Kontakte bisher überaus freundlich sind. Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten an den mir fremdesten Ecken im Netz unzählige Bilder gefunden, die ich hier nun, möglichst kommentiert zur Freude hoffentlich aller Lesenden posten möchte.

Das wird weder chronologisch noch systematisch passieren. Allerdings habe ich es mit der freundlichen Unterstützung einer guten alten Bekanntschaft, die ich passenderweise vor einiger Zeit im Prenzlauer Berg wiedergetroffen habe zumindest etwas leichter, wenigstens mir die abgegrasten Stellen zu markieren. Dank je wel Rudolf!

Alle Fotografen und Quellen sind natürlich herzlich eingeladen, weitere relevante Bilder zu schicken oder sie zu kommentieren.

Wohl an!

Gebietsfremde Langzeitparker

7. Februar 2012

Glücklicherweise ist die aktuellste Studie zur Parkraumbewirtschaftung (PDF) in weiteren Gebieten im Prenzlauer Berg im ausgehenden Januar dieses Jahres vorgestellt worden. Man könnte nämlich annehmen, dass es im Sommer „gebietsfremde Langzeitschattenparker“ hätte heißen können. Nun, und selbstverständlich wird der BVV-Ausschuss für Verkehr und öffentliche Ordnung die in der Studie gemachten Vorschläge alsbald umsetzen. Wie die ‚Prenzlberger Stimme‘ schreibt, ist bereits angekündigt, auf der „Sitzung am 13. März eine Beschlussempfehlung für die am Folgetag stattfindende Bezirksverordnetenversammlung zu verabschieden.“ Aber auch Prenzlauer Berger Mühlen mahlen zum Glück langsam: „Vom BVV-Beschluss bis zum Start der Überwachung rechne ich dann noch einmal mit mindestens einem Jahr Dauer“, meint Torsten Kühne, Pankows Stadtrat für öffentliche Ordnung.“

Kosten von einmalig mit 132.000 Euro für Verkehrsschilder und die Information der Anwohner sowie jährlich 306.000 Euro für die Anschaffung von 340 Parkscheinautomaten, wenn man deren Lebens- und Abschreibungsdauer auf zehn Jahre anlegt, stehen Einnahmen 1.643.255 Euro gegenüber. Das bedeutete einen Umsatz von etwa 1.300.000 Euro jährlich. Das klingt wirtschaftlich. Allerdings nur wenn man jährlich weitere rund 3.300.000 Euro für die Überwachung verausgabt, um dann ca. 2,5 Millionen Euro an Verwarnungs- und Bußgeldern einzunehmen und plötzlich bleiben im Jahr nur noch rund eine halbe Million Euro im Prenzlauer Berg. Ebenfalls wirtschaftlich, nur eben deutlich weniger. Die sicherlich anfallen werdenden Verwarnungs- und Bußgelder mit einzurechnen, ist mithin eine Unart, die sich mittlerweile leider allerorten durchgesetzt hat.

Im Ergebnis sagt die Studie jedenfalls wortwörtlich aus:

„Die Bestands- und Wirkungsanalyse zeigt, dass die Einführung der Parkraum- bewirtschaftung zu Verlagerungseffekten in die angrenzenden Gebiete geführt hat. Eine Ausdehnung der Bewirtschaftung ist daher sinnvoll.“

Der Parkraumdruck verlagert sich also in die den parkraumbewirtschafteten angrenzenden, jedoch unbewirtschafteten Gebiete. Was zur Folge hätte, dass eines unschönen Tages in den ländlichsten und zum Parken uneinladendsten Gegenden Parkuhren ständen. Und eines noch unschöneren Tages fragen sich die Bürgermeister der von parkraumbewirtschafteten Orten umzingelten Dörfer, wie sie wohl weiter Parkraumdrücke verlagern könnten. Berliner Lemminge sind eben schlauer: Sie springen nicht in Abgründe…

Windmill Hill

23. Januar 2012

Von der semi-wuseligen Geschäftigkeit beispielsweise auf der Schönhauser Allee war in der Zeit zwischen Stadtgründung von Cölln-Berlin und Nennenswertwerdung des Prenzlauer Berges noch nichts zu spüren. Bis auf Äcker verbindende, großspurig ‚Wege‘ genannte Trampelfpfade gab es im Grunde reichlich Nichts. Gut, Mühlenologen werden einwenden, dass irgendwann zwischen dem 13. Jahrhundert und spätestens 16. Jahrhundert irgendwer Mühlen da hingebaut hat, wo man den Windmühlenberg verorten kann. (Mittlerweile sagt auch die Luise was anderes.)

Um 1770 standen also immerhin 8, etwa 80 Jahre später zum Zenit der Mühlenära vor Ort mehr als die Hälfte aller Berliner Windmühlen in dieser Einöde. Man gelangte auf dem schmalen ‚Mühlenweg‚, dem ab 1874 ‚Straßburger Straße‘ genannten Pfad zum, ja man muss es so sagen, Mühlenmekka. Vom berüchtigten Windmillhopping ist jedoch nichts bekannt, doch ist bekannt, dass Windmillhopper ein verschwiegenes Völkchen sind.

Der Windmühlenberg in der zweiten Hälfte des 18. Jhd. etwa. © Urheber unbekannt.

Doch die heute erwähnenswerteren Straßen wie Schönhauser oder Prenzlauer Allee oder Danziger Straße waren Verbindungswege, auf denen Coffee-to-go-Verplempern ob der Unbefestigtkeit der Wege weder akustisch noch visuell aufgefallen wäre. Immerhin wurden sehr zu Ende des 16. Jahrhunderts Linden entlang der Schönhausenschen Landstraße gepflanzt, da der noch Kurfürst Friedrich III. den Weg zum frisch in den Schlossstand gehobenen, ehemaligen Gutshaus Niederschönhausen jetzt also Schloss Schönhausen nicht unbebaumt wissen wollte. 1700 wurden im vielleicht ja eigens dafür gepimpten Schloss Unterhandlungen zur König Friedrich I.-Werdung Kurfürst Friedrich III. geführt. Wenn man solch hochtrabenden Pläne hat, kann man so ein ‚Nieder‘ schonmal vergessen.

Sind wir also ehrlich: Ohne dieses Schloss im heutigen Pankow-Niederschönhausen und einen historisch namentlich nie genannten Witzbold, der sich nicht entblödete, in der Gegend Wein anzubauen, hätten wir heute wahrscheinlich keinen (solchen), ab dem 27. September 1921 offiziell und endgültig so genannten Prenzlauer Berg.

Der Windmühlenberg in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. etwa. © Urheber unbekannt.

Aber wir hatten Schloss und Witzbold. Und also Ahnungen von Gründen, die Mühlenbauer anzogen, dort ihr teuflisches Werk zu verrichten. Teuflisch? Ja, teuflisch. Noch bis in die späteren 1980er hinein nämlich hatten die über Straßennamen zu entscheidenden Gremien nicht kapiert, dass die eigentlich ‚Mulhauser Straße‘ im Elsaß-Lothringischen Viertel, trotz der unmittelbaren Nähe zum historischen ‚Windmühlenberg‘ nichts mit einer Mühle am Hut, bzw. Hausen zu tun hatte. Zwar gab es erst 1871 mit einem deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg einen Anlass für ein dem Namen nach ‚Elsaß-Lothringisches‘ Viertel, doch bereits vor dem 28. September 1885, dem Tag der offiziellen Namensgebung in ‚Mülhauser Straße‚ sind Verwirrungen bekannt. Lediglich mit ‚Straße 33‘ aus irgendeinem Bebauungsplan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam man scheinbar zurecht. Wer da wohnte, kann keinen Superstart ins Leben haben. Ich weiß, wovon ich  Doppelalben voll solcher Lieder singen kann.

Wie dem sein mag: Ein gemeinhin bekannterer Ursprung für den heutigen Prenzlauer Berg ist der sogenannte Windmühlenberg, welcher sich bar jeder Höhentrainingscampqualitäten zwischen der Schönhauser und Prenzlauer Allee und in Ausläufern bis zur Greifwalder Straße* sowie der Torstraße und etwa der heutigen Immanuelkirchstraße erhob und erhebt. (*Sofern man bei einem solchen Hügelchen von Ausläufern sprechen kann.)

Der nicht eben atemberaubende Blick gen Norden offenbarte weiteres, reichliches Nichts. Der dem Nordblick in Unatemberaubung, ja förmlich also quasi Beatmung in nichts nachstehende Süd-solche endete jäh an der Stadtmauer. Kein Wunder also, dass diese Gegend mit der Eingemeindung zwischen 1829 und 1831 rasch zum wichtigsten Mühlenstandort Berlin, doch in der Folge vor allem mit einigen Schnapsbrennereien und zügig zahlreicher werdenenden Bierbrauereien regelrecht zum Gomorra gedieh. Ein in der Historie also gefundener Grund für die Tradition der mit Bierflaschen bewaffneten Flaneure auf den Prenzlauer Berger und Berliner Straßen. (Für Jutebeutel oder die Light-Variante Baumwollbeutel gibt es jedoch absolut keine Gründe.)

Seit den 1840er Jahren bebaute man nun die der Stadtmauer nahegelegenen Gegenden zunächst mit zweigeschossigen Häusern. Ein ironieschwangerer Wink der Geschichte übr.: Das älteste noch stehende Gebäude von 1848 steht auf dem Grundstück Kastanienallee 77, einem Kunst- und Kulturprojekt, welches sich am Anschein nach anschickt, sämtliche Kunst- und Kulturprojekte im Prenzlauer Berg zu überleben.

Lottumstraße etwa 1870. © Urheber unbekannt.

Hallo Restwelt (bei Prenzlauer Berg)

23. Januar 2012

Die ersten Siedler im Raum Berlin ca. 60.000 v. u. Z. kannten keine Boogaboo-Kinderwägen und Latte Maserati oder wie das Zeug heißt. Und es vergingen einige Jahrhunderte, es wurde eine neue Zeitrechnung eingeführt, doch noch immer war an Kaffeemilchmischgetränke nicht zu denken. Nun, wenigstens etablierten sich sicherlich Vorläufer der heute hier beliebten BabyTrageGerätschaften.

Nicht einmal die vermutlich für die Gründung der Doppelstadt Cölln-Berlin haftbar zu machenden Askanier schafften es, gängige Klischees einzuführen, obwohl ebenjene Askanier bereits weniger Gedeih als vielmehr den Jahrhunderte später um sich greifenden Verderb in ihrem Blute mit sich führten. Denn der erste urkundlich erwähnte Askanier, Graf Esico, das lässt sich wohl leider nicht mehr leugnen, stammt aus dem Schwabengau. Ich meine: !!! Vielleicht hätte man also damals die Siedler dahin gewünscht, wo der Kaffee zum Gehen wächst, heute ist es jedenfalls zu spät.

So soll es hier der Abwechslung halber also nicht um Schwabenbashing gehen, diese Randgruppe hat ja offenbar schon historisch ein großes Päckle mit sich rumzuschleppen. Zudem reden wir ja nur von einigen zehntausend Ausnahmen.

Begrüßt also den Prenzlauer BLöGG.